„Gott ist tot al gut.“

cover a proposWas bedeutet der Spruch an der Wand?

Als ich die freundliche Einladung erhielt, mit einem Text zur Feier von Richard Fabers Geburtstag beizutragen, war mir rasch klar, dass dieser Text ein Thema zum Inhalt haben müsse, das mir von Richard erschlossen, dessen Bedeutung und Differenziertheit durch sein Denken klar gemacht wurde. Unter denen, auf die das zutrifft, habe ich eines ausgewählt: die religiöse, politische und kulturelle Bedeutung der Spruchgattung. Und da auch dieses Thema in sich vielfältig und nicht in wenigen Seiten fassbar ist, stelle ich es in einen ganz bestimmten Zusammenhang: Im folgenden Text, der mehr erzählenden als essayistischen Charakter hat, geht es um Wandsprüche, die im digitalen Zeitalter zu Bildschirmsprüchen mutieren. Weiterlesen „„Gott ist tot al gut.““

Agenda Menschenrechte

Agenda Menschenrechte CoverJosef P. Mautner
Agenda Menschenrechte
Notizen zum politischen Proceß
ISBN 978-3-99014-086-4, 96 S., EUR 9,90
www.muerysalzmann.at

Besprechungen:
„Eine Agenda zur Veränderung“ (Bernhard Jenny)
„Ich hätte nicht gedacht, dass das auch mich betrifft.“ (Peter Ebner)

Diese Notizen sind im Zusammenhang der Menschenrechtsarbeit im Rahmen der „Plattform für Menschenrechte“i entstanden. Die Geschichten sind in der Regel anonymisiert wiedergegeben und mit fiktiven Namenskürzeln versehen. Sie spiegeln die Erfahrungen von Menschen, die von Grundrechtsverletzungen betroffen sind mit einem „politischen Proceß“ in Österreich. Der Begriff „politischer Proceß“ orientiert sich am Wahrnehmungsmodell Franz Kafkas und bezeichnet das Zusammenstoßen von einzelnen Menschen, die ohne bzw. ohne ausreichende Handlungsmacht sind, mit machtvollen Systemen oder Individuen. In der Regel wird dieses machtvolle Gegenüber als anonyme Instanz wahrgenommen, der gegenüber den Betroffenen keine angemessene Möglichkeit zu reagieren bleibt. Weiterlesen „Agenda Menschenrechte“

Ein „Österreich, das die Totalität des Christentums verwirklicht“? Die Katholische Kirche und ihr Verhältnis zum „autoritären Ständestaat“

cover: "italienischer faschismus - deutschsprachiger katholizimus"Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ meldete in ihrer Ausgabe vom 7. Juli 2010, dass die Gedenkmesse zum Todestag von Engelbert Dollfuß in der Hauskapelle des Bundeskanzleramtes abgesagt sei und nun am 2. November 2010 stattfinden werde. Dabei werde nicht nur Dollfuß’, sondern aller verstorbenen Kanzler gedacht, gab das Bundeskanzleramt bekannt. Die Absage war erfolgt, da laut Kanzleramt das Datum zu „ungewollten politischen Interpretationen“ geführt habe.2 Dollfuß war am 25. Juli 1934 im Verlauf des Juliputsches ermordet worden, und an diesem Datum wurde bisher jährlich ein Gedenkgottesdienst gefeiert. Diese bemerkenswerte Form eines staatlichen Rituals wurde seit den sechziger Jahren unter christlich-sozialen wie sozialdemokratischen Regierungen abgehalten. Obwohl es den meisten ÖsterreicherInnen vor der medialen Debatte im Sommer 2010 unbekannt gewesen sein dürfte, zeigt das Ritual – und v.a. die Kontroverse darum – die Präsenz des österreichischen Faschismus im Gedächtnis der Republik. Dass eine katholische Messe dem Ritual seine Form gibt, demonstriert die enge Verknüpfung von Katholizismus und sich ständisch gebendem Staat am Ende der Ersten Republik, und eben diese enge Verknüpfung wird Thema des folgenden Textes sein. Weiterlesen „Ein „Österreich, das die Totalität des Christentums verwirklicht“? Die Katholische Kirche und ihr Verhältnis zum „autoritären Ständestaat““

„Fight Poverty not the Poor!“

Bettelverbote gefährden die Grundrechte.

Kranich 3-06_14Das Salzburger Landessicherheitsgesetz1 spricht im § 29 ein absolutes Bettelverbot aus: „(1) Wer an einem öffentlichen Ort oder von Haus zu Haus von fremden Personen unter Berufung auf wirkliche oder angebliche Bedürftigkeit zu eigennützigen Zwecken Geld oder geldwerte Sachen für sich oder andere erbittet, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist mit einer Geldstrafe bis zu 500 € und für den Fall der Uneinbringlichkeit mit Ersatzfreiheitsstrafe bis zu einer Woche zu bestrafen. (2) Bei Vorliegen von Erschwerungsgründen kann auch der Verfall des Erbettelten oder daraus Erlösten ausgesprochen werden.“

Das Salzburger Bettelverbot ist – wie die bestehenden Bettelverbote in anderen Bundesländern2 – beim Verfassungsgerichtshof (Vfgh.) beeinsprucht worden, und der Vfgh. befasst sich in dieser Frühjahrssession mit den grundrechtlichen Fragen und Problemstellungen, die diese unterschiedlich formulierten Verbote aufwerfen. Weiterlesen „„Fight Poverty not the Poor!““

Besprechung: Josef P. Mautner, Nichts Endgültiges

„… Die spezifisch literarische Form religiöser Äußerungen wird von Mautner in den Vordergrund gerückt. In dieser Hinsicht leistet Mautners Studie einen neuen, bedeutenden Beitrag zur Forschung zur literarischen Moderne und insbesondere zu deren Beziehung zur Religion.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt von Mautners Studie ist die Neukonzeption des von Derrida stammenden Begriffs der Dekonstruktion als positives Verfahren. Mautners „Dekonstruktion“ ist kein „von außen aufgezwungener Zerstörungsprozess“ (S.11), sondern ein Prozess der inneren Analyse und Selbstbetrachtung, der der Religion und Literatur innewohne, und der diese beiden Bereiche miteinander verbinde. Hinzu kommt das Verständnis von Dekonstruktion als einem unvermeidlichen Bestandteil der historischen Wandlung und Entwicklung beider Bereiche: „Für die späte Moderne ließe sich die These formulieren, dass die Literatur in ihrer kritischen und verfremdenden Bezugnahme auf religiöse Traditionen mit deren innerer Fähigkeit zu Wandlung und Entwicklung in Auseinandersetzung tritt.“ (S.10) In dieser Hinsicht werde die oft als Merkmal der Post-Moderne schlechthin betrachtete Dekonstruktion zu einem innewohnenden Merkmal der Religion und Literatur an sich. So entspricht Mautner Derridas ursprünglichen Intentionen hinsichtlich der Dekonstruktion und vermeidet die unter der Federführung der Postmoderne verbreiteten Fehlinterpretationen oder falschen Anwendungen des Begriffs. So lassen sich nach Mautner auch die Grenzen zwischen Moderne und Post-Moderne vernachlässigen, wenn nicht ganz aufheben und dies zeigt auch seine Auswahl von Autoren.(…)

Indem er die Dekonstruktion positiv wendet und als einen Prozess definiert, der sowohl der Religion als auch der Literatur innewohnt und beide verbindet, bringt Mautner ein starkes Argument für die fortbestehende Relevanz der Religion für die Analyse moderner literarischer Texte hervor. Sein Bestehen auf einer Verbindung von religiösen Themen und Anspielungen mit deren spezifisch literarischen Formen in der Literatur des 20. Jahrhunderts eröffnet einen neuen wichtigen Ansatzpunkt für die Erforschung der literarischen Moderne, die bisher eher die ästhetischen Bedeutungen der Auseinandersetzung mit der Religion ignoriert hat. Mautners Studie bringt überzeugend zum Ausdruck, dass die ‚Bibelskepsis‘ und ‚Glaubenskrise‘ der Moderne und der Post-Moderne kaum zu einer Verweigerung der Auseinandersetzung mit Transzendentalität und Religion geführt haben, auch bei den Werken, deren stilistische Bedeutung für die moderne Literatur unbestritten ist.“

Carly McLaughlin, in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen. 248. Band / 163. Jahrgang, 1. Halbjahresband 2011, 161-163.

Jürgen Ebach: SchriftStücke

Buchbesprechung

„Wie wäre es, wenn eine kritische Theorie der Bibel im emphatischen Sinne Aufmerksamkeit zuteil werden ließe“? fragt Jürgen Ebach im Vorwort zu seinem Buch „SchriftStücke“. In einem bestimmten, nämlich einem umgekehrten Sinne sind die in diesem Buch zusammengefassten „Passagen“ (in der Bedeutung von Walter Benjamins Verwendung des Begriffs) genau das: Ein Theologe, dessen Denken durch die kritische Theorie geschärft und vorsichtig geworden ist, wendet der Bibel diese für einen Bibelwissenschaftler ungewöhnliche Form der Aufmerksamkeit zu. Weiterlesen „Jürgen Ebach: SchriftStücke“