Agenda Menschenrechte

Agenda Menschenrechte CoverJosef P. Mautner
Agenda Menschenrechte
Notizen zum politischen Proceß
ISBN 978-3-99014-086-4, 96 S., EUR 9,90
www.muerysalzmann.at

Besprechungen:
„Eine Agenda zur Veränderung“ (Bernhard Jenny)
„Ich hätte nicht gedacht, dass das auch mich betrifft.“ (Peter Ebner)

Diese Notizen sind im Zusammenhang der Menschenrechtsarbeit im Rahmen der „Plattform für Menschenrechte“i entstanden. Die Geschichten sind in der Regel anonymisiert wiedergegeben und mit fiktiven Namenskürzeln versehen. Sie spiegeln die Erfahrungen von Menschen, die von Grundrechtsverletzungen betroffen sind mit einem „politischen Proceß“ in Österreich. Der Begriff „politischer Proceß“ orientiert sich am Wahrnehmungsmodell Franz Kafkas und bezeichnet das Zusammenstoßen von einzelnen Menschen, die ohne bzw. ohne ausreichende Handlungsmacht sind, mit machtvollen Systemen oder Individuen. In der Regel wird dieses machtvolle Gegenüber als anonyme Instanz wahrgenommen, der gegenüber den Betroffenen keine angemessene Möglichkeit zu reagieren bleibt.

Meine eigenen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Gefühle vermitteln einen möglichen Erkenntnisschritt für diejenigen, die nicht unmittelbar betroffen sind: dass Menschenrechte alle betreffen – auch mich. Der „politische Proceß“ könnte auch der eigene sein, und es gibt Situationen, in denen auch ich zum Betroffenen werden kann. Mein Aufbegehren gegen das Angeklagtsein von willkürlich definierten Menschengruppen wie „Asylanten“, Ausländern“, „Sozialschmarotzern“, „Arbeitsscheuen“, „Islamisten“, „Kopftuchfrauen“, „Bettelbanden“ usf. wandelt sich so von einem Akt des Sich-Herabbeugens zu einer Handlung solidarischen Verbundenseins.

Den Notizen zum politischen Proceß gegenübergestellt sind Bleistiftzeichnungen von Bogdan Bogdanovic. Sie stammen aus einem Zyklus von vierundsiebzig Zeichnungen, die im Jahr 2005 in Wien entstanden sind. Bogdan Bogdanovic hat sie mir im Zusammenhang unserer Gespräche über die Arbeit mit Asylsuchenden erläutert. Denn ihre Bildwelten spiegeln die Empfindungen und Ängste der politischen Verfolgung und des Exils.ii

i Bei der Nationalratswahl am 3. Oktober 1999 wurde die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) mit 26,91 % der Stimmen hinter der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) die zweitstärkste politische Kraft in Österreich. Nach dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP kam es zur ersten Regierungskoalition zwischen ÖVP und FPÖ. Nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses der Nationalratswahl taten sich in Salzburg VertreterInnen von Flüchtlingsorganisationen, aus Parteien und kirchlichen Einrichtungen zusammen. Sie gründeten im Dezember 1999 eine „Plattform für Menschenrechte“ (http://www.menschenrechte-salzburg.at), da sie bei der unmittelbar bevorstehenden Regierungsbeteiligung der FPÖ die Grundrechte von Asylsuchenden und MigrantInnen in Gefahr sahen.

ii Bogdan Bogdanovic, geb. am 20. August 1922 in Belgrad, Surrealist, Architekt, Intellektueller, Schriftsteller, Zeichner u. v. m. lebte seit 1993 im Exil in Wien. Er starb am 18. Juni 2010. Ich konnte mehrere Jahre hindurch mit ihm Gespräche über den Traum, die Religion(en), Flucht und Exil sowie Xenophobie und Menschenrechtsarbeit führen. Dabei haben wir auch intensiv über diesen Zyklus von Bleistiftzeichnungen und die darin enthaltenen Motive gesprochen. Die Originale befinden sich im Besitz des Architekturzentrums Wien (http://www.azw.at/), das freundlicherweise den Abdruck der Zeichnungen genehmigt hat.

 

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