Religion im Mikrokosmos von Josef Winklers Novelle „Natura morta“.
„Die Welt ist weder sinnvoll noch absurd. Ganz einfach: sie ist. Jedenfalls ist das ihr bemerkenswertestes Zeichen. […] Um uns herum, den Schwarm unserer seelenspendenden oder häuslichen Beiwörter herausfordernd, sind die Dinge da.“[1]
Alain Robbe-Grillet
Der folgende Text ist das Gegenteil eines Überblicks oder gar einer Gesamtanalyse. Er verfolgt nicht das Motiv der Religionskritik als „roten Faden“ im Verlauf der Werkentwicklung von Josef Winkler. Vielmehr ist er ein Versuch, im auf ein bestimmtes Werk verengten Blick sich dem religiösen bzw. dem religionskritischen Mikrokosmos von Winklers Sprache anzunähern. Allen Erklärungen vom engen Entwicklungszusammenhang in Winklers Werk – bis hin zu der Feststellung, es handle sich bei all seinen Texten im Grunde nur um ein Buch – sowie allen Behauptungen, die Novelle sei eigentlich nur eine „Fortsetzung“ des großen Romans „Friedhof der bitteren Orangen“, zum Trotz, wird „Natura morta“ hier als das betrachtet, was es eben auch ist: ein solitärer Text. Und zwar ein Text, in dem Josef Winklers Verständnis wie Unverständnis von Religion zum Mikrokosmos eines verdinglichten Bildes kondensiert ist. So die These, die es im Folgenden als plausibel oder als unzutreffend zu erweisen gilt.
[1] Alain Robbe-Grillet: Dem Roman der Zukunft eine Bahn, 19. In: Ders.: Argumente für einen neuen Roman. Essays. München 1965, 16-23.
Weiterlesen „„Die wandelnde Pieta“.“





