„Kerker gegen den Geist“.

cover totale institutionenEin schwarz-braunes Syndrom in Thomas Bernhards autobiographischen Texten

Der Schriftsteller Viktor Suchy führte in der „Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur“ am 7. März 1967 – also acht Jahre vor dem Erscheinen der „Ursache“ – ein Interview mit Thomas Bernhard, in dem er den damals 36jährigen fragte, ob er jemals daran gedacht habe, autobiographische Aufzeichnungen zu machen und diese später zu publizieren. Bernhards Antwort erfolgte in dem für ihn typischen Stil der Untertreibung:

„Ich mach‘ natürlich Notizen, mehr oder weniger jeden Tag, oder nicht, je nachdem, was einem einfällt. Vor allem für einen selber, man will ja nachschauen, was war damals, und man vergißt ja Perioden, da sind dann Monate weißer Flecken, so wie der Nordpol. Die Vergangenheit ist unerforscht, dort.“1

Bernhard erzählt bei demselben Interview in geraffter Form die Stationen seiner Kindheit und Jugend. Er kommt auf die Zeiten im Salzburger Internat in der Schrannengasse zu sprechen, das während seines ersten Aufenthaltes ein „NS-Schülerheim“ war und nach 1945 als kirchlich geführtes Internat unter dem Namen „Johanneum“ wieder eröffnet wurde. Er betont bereits in dem damaligen Gespräch mit Suchy – in bewusster Absetzung gegen das offizielle österreichische Nachkriegs-Geschichtsverständnis! – die Kontinuität zwischen beiden Perioden. Auch die berühmt gewordene Episode mit Hitlerbild und Kreuz schildert er im Gespräch: „Ich war einer der wenigen, die wieder automatisch in das gleiche gegangen sind. Statt dem Hitlerbild war halt dann das Kreuz an der Wand, genau auf dem selben Nagel.“2 Und er bestätigt gegenüber Viktor Suchy den starken Eindruck, den die Zeit im Internat auf ihn gemacht habe: „ich war damals natürlich sehr aufnahmefähig, in der Zeit ist man das ja grad“.3

Im Herbst 1975 erschien im Salzburger Residenz-Verlag (Verlagsleiter war damals Wolfgang Schaffler, das Lektorat besorgte der spätere Verlagsleiter Jochen Jung) Thomas Bernhards Text „Die Ursache. Eine Andeutung“. Er sollte der erste einer autobiographischen Pentalogie werden. In kurzer Folge wurden die vier weiteren publiziert – alle im Residenz-Verlag: Ziemlich genau nach einem Jahr, im Herbst 1976, erschien „Der Keller. Eine Entziehung“, im Frühjahr 1978 „Der Atem. Eine Entscheidung“. Zwischen dem vierten, 1981 erschienenen Buch „Die Kälte. Eine Isolation“ und dem schließlich Anfang 1982 publizierten letzten Band mit dem Titel „Ein Kind“ liegt ein Zeitraum von fast drei Jahren. Während die vier ersten Bände Bernhards Kindheit und Jugend in einer linear sich fortsetzenden zeitlichen Reihenfolge beschreiben, kehrt der letzte Band in die frühe Kindheitsphase zurück, die zeitlich vor den in der „Ursache“ geschilderten Ereignissen liegt. Die schlussendliche Komposition der Pentalogie lässt sich als zyklische interpretieren: Denn der letzte Satz des letzten Bandes, „Ein Kind“, endet mit einer Bekräftigung der Entscheidung des Großvaters, seinen Enkel nach Salzburg in Schule und Internat zu geben: „Mein Großvater griff sich an den Kopf und sagte: wie gut, daß es nicht Passau ist, daß ich Salzburg für dich bestimmt habe.“4 Damit mündet dieser Satz in der zeitlichen Abfolge des Geschilderten wie in seiner Erzähllogik in die Anfangspassage des ersten Bandes, „Die Ursache“, die über mehrere Seiten hinweg eine drastische Schilderung der Stadt Salzburg und ihrer zerstörerischen Wirkung auf den jungen Bernhard gibt, um schließlich in eine Beschreibung des Internates in der Schrannengasse zu münden: „Der Dreizehnjährige ist plötzlich, wie ich damals empfunden (gefühlt) habe und wie ich heute denke, mit der ganzen Strenge einer solchen Erfahrung, mit vierunddreißig Gleichaltrigen in einem schmutzigen und stinkenden Schlafsaal im Internat in der Schrannengasse zusammen und kann wochenlang nicht einschlafen“5.

Vor allem „Die Ursache“, aber auch der letzte Text der Pentalogie, „Ein Kind“, beschäftigen sich mit den Internatserfahrungen Thomas Bernhards und sind deshalb für unsere Fragestellung von Interesse. Der Titel des ersten Textes hätte ursprünglich „Das Internat“ lauten sollen, und Bernhard charakterisiert das Manuskript in einem Brief an den Verlagsleiter Wolfgang Schaffler vom 20. Februar 1975 als Niederschrift von „Internatserinnerungen“.6 Allerdings hätte Thomas Bernhard sich mit Sicherheit in der ihm eigenen vehementen Weise gegen die Kategorisierung der „Ursache“ als „Internatsroman“ verwehrt – und zwar aus zwei Gründen: Zum einen war „Die Ursache“ für Bernhard weder Roman noch Autobiographie im engeren Sinne (auf ästhetische Fragestellungen im Zusammenhang der autobiographischen Texte komme ich noch zu sprechen). Zum andern gehört „Die Ursache“ nicht zu einer – wie auch immer definierten – Form von „Internatsliteratur“. Sie ist ein klassischer Bernhard-Text und entzieht sich somit strikten formalen („Erzählform“), gattungsgemäßen („Roman“) wie auch inhaltlichen („Autobiographie“ und/oder „Internatsliteratur“) Klassifikationen. Der Internatsaufenthalt Bernhards ist ein – wenn auch gewichtiger, so doch nur ein – Teil des Textes, und im Zentrum der „Ursache“ steht ohne Zweifel die Stadt Salzburg als Ort eines „Syndroms“. Sie stellt für Bernhard die krank machende Verbindung von zwei Symptomkomplexen dar: dem des Nationalsozialismus und dem des Katholizismus! Darüber hinaus soll man nicht vernachlässigen, dass der Aufenthalt in der Schrannengasse nicht die erste Internatserfahrung Bernhards war. Er schildert in dem 7 Jahre später erschienenen letzten Band der Pentalogie, „Ein Kind“, seinen Aufenthalt in der NS-Erziehungsanstalt Saalfeld, der für den jungen Thomas Bernhard lebensgeschichtlich mindestens ebenso prägend und katastrophal gewesen sein dürfte wie das Salzburger Internat.

Deshalb erscheint es mir sinnvoll und notwendig, bevor wir uns den betreffenden Textpassagen in der „Ursache“ zuwenden, noch zwei andere Gedankenschritte zu gehen: Im ersten Schritt möchte ich darlegen, dass Bernhards Autobiographie nicht als direkte Lebensbeschreibung, sondern – wie seine anderen Prosawerke auch – als artifizieller literarischer Text im Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion zu lesen ist. Also werde ich einige Bemerkungen zur Ästhetik der autobiografischen Inszenierung bei Bernhard machen, um gängige Missverständnisse in der Lektüre der autobiographischen Pentalogie zu vermeiden. Im zweiten Schritt möchte ich die biographischen Fakten zu jenen drei Lebensabschnitten, die Thomas Bernhard in einem Internat verbracht hat, soweit sie mir zugänglich sind, darstellen, um vor deren Hintergrund zwei zentrale literarische Motive der Internatstexte hervorzuheben und zu interpretieren.

1. Zur Ästhetik der autobiographischen Inszenierung:

Seit dem Erscheinen von „Die Ursache“ schien für die zeitgenössische Literaturkritik und das Feuilleton den LeserInnen ein Schlüssel an die Hand gegeben zu sein, mit dem das als irritierend ausweglos wahrgenommene Prosawerk von Thomas Bernhard „eingeordnet“ sowie einer „Ursache“ zugeordnet werden könne. Ja, die Arbeit an der Autobiographie erschien der Literaturkritik für sich genommen bereits ein Akt der Selbstfindung und des neu gewonnenen Lebenswillens bei Bernhard zu sein. Um ein Beispiel herauszugreifen: Bernhard Sorg schrieb im „Kritischen Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“: Die autobiographischen Werke „markieren einen Schritt weg von der vorgeblichen oder tatsächlichen Ausweglosigkeit, die die Romane in Qual und Leid konstituierte. (…) die Aufarbeitung im nicht-fiktiven Text ist bereits, verglichen mit der fiktiven Prosa, eine Dimension der Bewältigung“7. Nicht nur existentiell, auch künstlerisch erschien der damaligen Literaturkritik die Autobiographie ein wesentlicher Fortschritt gegenüber der noch unentwickelten, „Sturm-und-Drang-artig“ anmutenden Prosa der Jahre zuvor. Marcel Reich-Ranicki, das treffsichere Sprachrohr der Mainstreamwahrnehmung in der Literaturkritik, meinte in einer Sammelbesprechung beim Erscheinen des dritten Bandes der Autobiographie, „die in Bernhards vorangegangenen Büchern oft juvenil anmutenden Elemente“ (von Reich-Ranicki als „Weltablehnung“, „Daseinsverurteilung“ empfunden, Anm.d.Verf.) fänden „in der Autobiographie ihre ebenso einfache wie einleuchtende psychologische Begründung.“8 Dass Thomas Bernhards „Andeutung“, wie er den Text im Untertitel selber apostrophierte, sich bei näherer Lektüre weder als „einfach“ noch als „einleuchtend“ erweisen sollte, möchte ich in der hier gebotenen Kürze darstellen, um möglichen Missverständnissen oder Kurzschlüssen vorzubeugen. „Die Ursache“ ist weder reine Autobiographie, noch Psychographie, noch kann sie als „Schlüssel-Roman“ bezeichnet werden. Sie ist keiner Sprachgattung eindeutig zuordenbar. Hier wird weder beschrieben, noch analysiert, noch erzählt. Man könnte – mit Thomas Bernhard – auch das Umgekehrte behaupten: Hier wird sowohl beschrieben, als auch analysiert, als auch erzählt! Die gesamte autobiographische Pentalogie – und im Besonderen „Die Ursache“ – ist die Autobiographie eines unsicheren und verunsichernden Ich, das zwischen Biografie und Literatur angesiedelt ist, ohne einem von beiden Bereichen eindeutig anzugehören.

Der Text erzeugt bewusst – auch und gerade für die LeserInnen – eine Ambivalenz in den Zuordnungen: Wer ist hier Erzähler-Ich, wer ist das erzählte Ich und wer ist der Autor? Schein und Sein, Fiktion und Faktum, Lüge und Wahrheit stehen unvermittelt nebeneinander. Immer wieder wird eine Differenz zwischen Autor und Erzähler-Ich, die gemäß den Gattungsregeln einer klassischen Autobiografie aufgehoben sein müsste, angedeutet und der Leser dadurch verunsichert. In einer wichtigen Passage der „Ursache“ denkt Bernhard über die Bedeutung der Selbstbeschreibung, der Ich-Reflexion nach und kommt zu dem Schluss, dass sie den unbedingten Willen zur Wahrheit erfordert, die allerdings nicht in den äußeren Vorgängen eines Lebens, sondern im Wesen einer Persönlichkeit zu suchen ist: „denn ich beschreibe mich immer, und ich beschreibe nicht meine Taten, sondern mein Wesen.“9 Gleichzeitig kommt er aber in der Reflexion seiner Beziehung zur Mutter in der „Ursache“ zu dem Ergebnis, dass er „deren Wesen zu beschreiben heute noch nicht die Fähigkeit habe, immer nur die Unfähigkeit, auch nur ihr Wesen anzudeuten“10. Die der Wahrheit verpflichtete, sich distanzierende Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst und dem eines Anderen bildet das Zentrum der Ästhetik in Bernhards autobiographischen Texten. Sie ist somit Ästhetik wie Antiästhetik zugleich, da für ihn die literarische Darstellung Wahrnehmung gleichzeitig ermöglicht und verhindert. An einer grundlegenden Ignoranz diesem ästhetischen Prinzip gegenüber ist eine angemessene Lektüre und Rezeption der „Ursache“ immer wieder gescheitert. Die Zuspitzung und Übertreibung der Standpunkte in der Wahrnehmung führt den literarischen Diskurs bei Thomas Bernhard in einen unvermittelten Gegensatz. Jedoch ist diese Gegensatzkunst niemals nur ästhetisches Spiel um seiner selbst willen. Vielmehr wird sie von Bernhard als künstlerischer Reflex einer existentiellen Erfahrung ausgewiesen: „Ich liebte den Gegensatz, wie ich auch heute vor allem den Gegensatz liebe (…), der Gegensatz zwischen allen diesen salzburgischen Unvereinbarkeiten meiner Jugend hat mich gerettet“11.

Die literarische Verarbeitung existentieller Erfahrung, wie sie in den autobiographischen Texten geschieht, trennt sie nicht von der Ästhetik seines übrigen Werkes, sondern steht vielmehr in einem engen Zusammenhang mit ihr. Das gesamte literarische Werk Bernhards ist durch einige charakteristische Topics miteinander verknüpft. Als ‚Topic’12 lässt sich ein zentrales Thema eines literarischen Textes bezeichnen, das im Netzwerk der Bedeutungen, wie es dieser Text generiert, andere Themen anzieht, verarbeitet und transformiert. Ein solcher Topic ist bereits in Bernhards frühen Texten auffindbar: Er bezeichnet die Welt als „Hölle“ und charakterisiert sie damit als Ort der Erfahrung von Leiden und Tod. Im Konfrontiertsein mit Leiden und Tod stoßen die Menschen – jenseits von Schein und Lüge – zum Wesentlichen ihrer Existenz vor, und eine der zentralen Vermittlungsformen zwischen dem menschlichen Bewusstsein und dieser Existenzerfahrung ist die Erinnerung.13 Leiden und Tod werden vom jeweiligen sprechenden Ich in Bernhards Werk zwar als grundsätzliche existentielle Bedingung erfahren, als naturbedingte Endlichkeit und Gebrechlichkeit des Daseins, aber in ebensolcher Intensität werden ihre sozialen und politischen Ursachen reflektiert und benannt. Leiden, psychische Zerstörung, Tod und Selbstmord werden in Lyrik und Prosa Thomas Bernhards immer wieder mit dem Sammelbegriff „Hölle“ bezeichnet. Sie sind zwar einerseits geschichtslos unwandelbare Orte der unverhüllten Existenzerfahrung. Dennoch werden gerade auch in der „Ursache“ wie im gesamten autobiographischen Werk unverkennbare Bezüge zu zeitgeschichtlichen Ursachen von Leid und Tod hergestellt: Psychische und physische Zerstörung von Menschen durch Gewalt in der Erziehung, Krieg, Unterdrückung und Mord als unmittelbare Folgeerscheinungen nationalsozialistischer Herrschaft bestimmen die Prosa der „Ursache“. Sie tauchen aber bereits im Frühwerk auf: in den Leidens- und Todeswahrnehmungen des lyrischen Ich seiner Gedichtsammlungen ebenso wie in den frühen Prosatexten „Der Italiener“ (1964) und „In der Höhe Rettungsversuch Unsinn“14 sowie im Roman „Frost“ (1963).

Über das Gymnasium am Grünmarkt, das Thomas Bernhard während seiner zweiten Zeit im Internat nach 1945 besuchte, schreibt er in der „Ursache“: „Ich ging in dieses für mich in allen seinen Einzelheiten unerträglich gewordene Gebäude am Grünmarkt wie in eine tagtägliche Hölle hinein, und meine zweite Hölle ist das Internat in der Schrannengasse gewesen, und so wechselte ich von der einen Hölle in die andere und war nur noch verzweifelt“.15 Der Topic „Hölle“ verbindet verschiedene Erfahrungsräume in der autobiografischen Pentalogie miteinander. Von Thomas Bernhard werden verschiedene Orte, an denen das Erzähler-Ich lebte, als „Hölle“ benannt und somit mit einer Kindheit und Jugend übergreifenden Erfahrung von Leiden und Tod in Verbindung gebracht: Neben dem Internat in der Schrannengasse und dem Heim für Schwererziehbare in Saalfeld sind es die Scherzhauserfeldsiedlung in „Der Keller“, sowie an mehreren Stellen der Autobiografie: die Familie Thomas Bernhards. Mit Ausnahme der Familie werden sie alle als Räume der sozialen Ausgrenzung sowie psychischen Vernichtung von Menschen beschrieben und stehen mit Strukturen nationalsozialistischer Herrschaft in Verbindung. Das Kinderheim in Thüringen ist nationalsozialistisch geführt, das Schülerinternat in der Salzburger Schrannengasse zunächst ebenso. Die Scherzhauserfeldsiedlung, ein proletarischer Stadtteil am Rande des bürgerlich-konservativen Salzburg, hat unter der nationalsozialistischen Unterdrückung besonders zu leiden gehabt. Aber Ausgrenzung und Unterdrückung haben mit dem Ende der NS-Herrschaft kein Ende. Der Stadtteil bleibt auch nach dem Krieg benachteiligt. Das DDR-Kinderheim, das Thomas Bernhard als Erwachsener aufsucht, erlebt er nicht grundsätzlich anders wie die NS-Erziehungsanstalt, unter der er als Kind zu leiden hatte. Das nun katholisch geführte Internat in der Schrannengasse ebenso.

2. Einige „Andeutungen“ zur Biographie des Thomas Bernhard:

Als Thomas Bernhard am 26. März 1944 nach Beendigung des achten Schuljahres aus der Volksschule Traunstein entlassen wird, ist er 13 Jahre und 1 Monat alt. Zunächst möchten ihm die Eltern und der Großvater den Bildungsweg zu einer ökonomisch gesicherten Existenz ebnen, und Johannes Freumbichler begleitet ihn nach Passau, wo er die Aufnahmeprüfung in die dreijährige „Staatliche Wirtschaftsaufbauschule“ besteht. Aber Großvater Freumbichler entscheidet sich schließlich kurzfristig anders, und Thomas Bernhard beginnt am 24. April die Klasse 2a der Knaben-Hauptschule in Salzburg, Haydnstraße 3, die damals wegen ihrer Nähe zur Stadtpfarrkirche St. Andrä Andräschule genannt wurde. Bernhard schreibt in der „Ursache“, er habe diese Entscheidung seines Großvaters damals „nicht verstehen können, heute weiß ich, daß mein Großvater keine andere Wahl hatte, als mich in das Internat in der Schrannengasse und also als Vorbereitung auf das Gymnasium in die Andräschule als Hauptschule zu geben, wenn er nicht haben wollte, daß ich aus jeder Art von Mittelschulbildung und also in Konsequenz später Hochschulbildung ausgeschlossen sein sollte“16. Herkunftsfamilie mit geringem Einkommen, große Entfernung, schlechte Verkehrsverbindung zum Schulort sowie der unbedingte Wunsch der Erziehungsberechtigten, dem Kind über Schulbildung sozialen Aufstieg zu ermöglichen – all diese Faktoren haben nicht nur bei Bernhard, sondern bei vielen Jugendlichen seiner Generation (und auch noch folgender Generationen!) zu einem Internatsaufenthalt geführt. Thomas Bernhard wohnte im selben Internat, in dem auch bereits sein Großvater untergebracht war, als er ab September 1895 die Salzburger Realschule besucht hatte: in dem „Schulknabenasyl“ Schrannengasse 4. Im Internat wohnten ca. 70 Jugendliche, und es wurde vom „Anschluss“ 1938 bis zum Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 – wie alle Schulinternate Salzburgs – streng nationalsozialistisch geführt. In einem Erlass des NS-Reichsministeriums heißt es dazu: „Wenn die Kinder das Elternhaus verlassen und ein Schülerheim besuchen müssen, erstrebt das Schülerheim in Verbindung mit der Schule auf der Grundlage nationalsozialistischer Gemeinschaftserziehung das gleiche Ziel“.17 Wie die ideologische Zielsetzung der Nationalsozialisten, in den Schülerheimen „geistig und charakterlich vollwertige Menschen zu formen“ sich für den Schüler Bernhard in der Realität ausnahm, schildert er in der bereits zitierten Passage am Beginn der „Ursache“: Mit dreizehn Jahren ist er „plötzlich“ mit vierunddreißig in etwa gleichaltrigen Jungen in einem „Schlafsaal im Internat in der Schrannengasse zusammen und kann wochenlang nicht einschlafen, weil sein Verstand nicht versteht, warum er plötzlich in diesem schmutzigen und stinkenden Schlafsaal zu sein hat, weil er als Verrat empfinden muß, was ihm als Bildungsnotwendigkeit nicht erklärt wird.“18

Der damalige Direktor des Internats, Grünkranz, war – nach den Schilderungen Bernhards – strikter Nationalsozialist und trat ausnahmslos in seiner Uniform als SA-Offizier auf. Louis Huguet zitiert in seiner Chronologie eine mündliche Auskunft des Stadtpfarrers Franz Wesenauer, wonach dieser Posten nicht unbedingt von Nationalsozialisten besetzt gewesen sein müsse, da er die Möglichkeit bot, einen Fronteinsatz im Krieg zu vermeiden.19 Grünkranz sei – nach Auskunft von Wesenauer – sogar „Gegner des Nationalsozialismus“ gewesen.20 Gegen diese Auskunft spricht allerdings die Erfahrung, da nach Auskunft verschiedener ZeitzeugInnen in Salzburger Erziehungseinrichtungen gerade als Leitungspersonen in der Regel als „linientreu“ geltende Nationalsozialisten eingesetzt waren. Von den Erziehungsmethoden im damaligen NS-Schülerheim gibt Bernhard einige anschauliche Beschreibungen – u.a. die folgenden: Er spricht von der „Angst vor dem immer unvermittelt und mit der ganzen militärischen Infamie und Schläue auftauchenden und strafenden Grünkranz, der ein Musteroffizier und Muster-SA-Offizier gewesen war“. Grünkranz war für ihn „dieser wahrscheinlich mit seinen sexuellen und pervers-allgemein-sadistischen Krämpfen und Widerkrämpfen, wie ich jetzt weiß, niemals fertig werdende (…) durch und durch nationalsozialistische Mensch“21. Bernhard schreibt auch, dass er Frau Grünkranz verheimlicht habe, „daß ihr Mann mir mit der Stablampe auf den Kopf geschlagen hatte, um mich aufzuwecken“22.

Vom 16. Oktober 1944 bis zum 27. April 1945 fanden neunzehn zum Teil schwere Bombenangriffe auf die Stadt Salzburg statt, deren Begleiterscheinungen und Folgen Thomas Bernhard stark beeindruckt haben und die in mehrere Passagen der „Ursache“ Eingang fanden. Der erste Angriff am 16. Oktober 1944 (von Bernhard irrtümlich auf den 17. Oktober datiert) forderte eine besonders hohe Anzahl von Todesopfern (186 geborgene Leichen, ohne die Vermissten), da große Teile der Salzburger Bevölkerung nicht wirklich an einen Bombenangriff glaubten und sich während des Angriffes noch in den Straßen aufhielten. Die drei folgenden Luftangriffe verwüsteten auch das Andräviertel, und zerstörten sowohl die Kirche als auch die Schule und die dem Internat gegenüberliegende Schranne. Das Gebäude des Internates blieb weitgehend verschont. Die von Zwangsarbeitern in den Mönchsberg getriebenen Schutzstollen fassten bei weitem nicht die gesamte Bevölkerung, und im Glockengassenstollen, dem die Internatsschüler zugewiesen waren, spielten sich beim zweiten Luftangriff am 20. Oktober 1944 furchtbare Szenen ab. Die Menschen waren nun durch den ersten Bombenangriff gewarnt, und ca. 10.000 Menschen suchten in dem für 2.500 Personen ausgerichteten Stollen Zuflucht. Bernhard schreibt in der „Ursache“: „(…) noch während des Sirenengeheuls bewegte sich der Menschenstrom auf die Stollen zu, und vor den Eingängen spielten sich immer entsetzliche Szenen der Gewalttätigkeit ab, hinein drängten die Menschen mit der ganzen ihnen angeborenen und nicht mehr zurückgehaltenen Brutalität genauso wie heraus, und die Schwachen waren sehr oft ganz einfach niedergetrampelt worden.“23

Das Internat wurde – nach Bernhards Darstellung – erst nach dem vierten oder fünften Bombenangriff geschlossen. Er selber sei von seiner Großmutter Anna Bernhard nach dem verheerenden dritten Angriff auf Salzburg am 17. November 1944 aus dem Internat abgeholt und nach Traunstein gebracht worden. Die offizielle polizeiliche Meldung Bernhards in Traunstein datiert allerdings bereits vom 13. November – also ist anzunehmen, dass er diesen dritten Bombenangriff nicht mehr selber miterlebt hat.24 In Traunstein übernimmt Thomas Bernhard, nachdem die Auswirkungen des Krieges keinen Schulunterricht mehr zulassen, diverse Hilfsarbeiten, um für sich und seine Familie zusätzliche Lebensmittel zu bekommen: Er arbeitet bei einer Gärtnerei und erhält dafür Gemüse. Um an Brot zu kommen hilft er in einer Bäckerei aus. Außerdem übernimmt er Lieferungen für einen Gastwirt. Auch auf die bayerische Kleinstadt Traunstein gab es insgesamt vier Bombenangriffe, die aber weniger heftig waren und weit weniger Todesopfer zur Folge hatten. Der dritte und schwerste erfolgte am 18. April 1945 und forderte 94 Todesopfer. Dabei wurde auch die Gärtnerei Schlecht und Weininger zerstört, in der Bernhard gearbeitet hatte.

Am 4. Mai 1945 erfolgte die kampflose Übergabe der Stadt Salzburg an die amerikanischen Truppen, und die Zeit der Besatzung durch die US-amerikanische Armee begann, die Thomas Bernhard später in vielen Artikeln und Glossen als Journalist im „Demokratischen Volksblatt“ beschreiben sollte. Das Schulhaus im Andräviertel war zerstört. Dennoch wurden im Sommer 1945 Flüchtlinge, DPs sowie ehemalige Kriegsgefangene „unter sanitätswidrigsten Verhältnissen“ (so die Formulierung in der Festschrift zum 90jährigen Jubiläum der Hauptschule Haydnstraße25) in der Bombenruine untergebracht. Im September 1945 tritt Thomas Bernhard nach Abschluss der dritten Klasse Hauptschule in der Haydnstraße in die zweite Klasse des Staatsgymnasiums am Grünmarkt (des heutigen Akademischen Gymnasiums) ein und wohnt wieder im neuerlich eröffneten, nun von der katholischen Kirche geführten Internat, dem „Johanneum“. Der neue Direktor ist der Geistliche Franz Wesenauer, stadtbekannt unter seinem Rufnamen „Onkel Franz“. Bernhard wählt diesen Rufnamen auch als durchgehende Bezeichnung für die Figur des „Onkel Franz“ in der „Ursache“. Den Studienpräfekten und Assistenten des Direktors hat Louis Huguet als Roland Demer, einen geflüchteten ungarischen Jesuiten, identifiziert. Wesenauer war während der NS-Zeit Diözesanjugendseelsorger und Betreuer der Priesterstudenten gewesen. Er war in Salzburg als konservativer Gegner der Nationalsozialisten bekannt gewesen und von der Gestapo beobachtet worden. Im Jahr 1940/41 versteckte er einen dreizehnjährigen jüdischen Jugendlichen, dessen Eltern bereits deportiert worden waren, bei verschiedenen Familien in Salzburg und brachte ihn im Herbst 1944, als ihm Denunziation und Deportation drohten, nach Oberösterreich.26 Unmittelbar nach dem Krieg wurde Wesenauer Direktor des „Johanneums“ und von 1950 bis 1980 war er Stadtpfarrer von St. Elisabeth. Die Pfarre wurde erst nach dem Krieg gegründet und durch ihn aufgebaut. Der Neubau war durch Spenden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz finanziert worden. Wesenauer war in der neu gegründeten katholischen Friedensbewegung „Pax-Christi“ aktiv. Zum Beispiel zelebrierte er im Oktober 1955 vor 600 TeilnehmerInnen einen Gottesdienst bei einem vom Pax-Christi-Komitee veranstalteten Sühnegang in das KZ Mauthausen. Die Pfarrkirche St. Elisabeth war auch die erste Pax-Christi-Kirche in Österreich. Franz Wesenauer war ebenfalls in der Ökumene und im jüdisch-christlichen Dialog aktiv. Im Jahr 1972 wurde u. a. vom späteren Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold, und ihm ein „Salzburger Arbeitskreis für christlich-jüdische Begegnung“ gegründet. Trotz – bzw. gerade wegen – dieses seines breit gestreuten sozialen und kirchlichen Engagements war Franz Wesenauer eine Galionsfigur kirchlich und politisch konservativer Kreise in Salzburg, und er trat v.a. in den siebziger und achtziger Jahren streitbar für konservative Wertordnungen und die Bewahrung vorkonziliarer kirchlicher Strukturen auf. Für Thomas Bernhard kristallisierte sich in seiner und des Präfekten Persönlichkeit jenes nationalsozialistisch-katholische Syndrom, von dem das Internat als Mikrokosmos und die gesamte Stadt Salzburg als gesellschaftliches Umfeld seiner Jugendzeit geprägt waren. Denn für ihn als Jugendlichen setzte sich in den Werthaltungen und Erziehungsmethoden Wesenauers und des Präfekten das fort, was in der Zeit davor Grünkranz und seine Frau repräsentiert hatten: ein „tödlicher Todesboden“ und ein „niederträchtig gegen seinen Geist gebauter Kerker“27. Der Stadtpfarrer Franz Wesenauer erkannte sich im Internatsleiter „Onkel Franz“ wieder, sah sich durch die Charakterisierung im Buch „persönlich beleidigt“28 und beantragte bei Gericht eine Beschlagnahme des Buches. Franz Wesenauer – wie auch die meisten der zeitgenössischen Salzburger Rezensenten – sahen bei ihrer Lektüre der „Ursache“ literarischen Text und historische Fakten, die Figur des „Onkel Franz“ und den realen Pfarrer Wesenauer unmittelbar in eins gesetzt. Dies verdeutlicht eine Stellungnahme Wesenauers in der konservativ-katholischen Zeitschrift „Glaube und Kirche“: „Diese Empfindungen von vor 30 Jahren entschuldigen nicht seine ‚künstlerischen Darstellungen’ von heute. Sie halten vor dem Gesetz nicht stand.“29 In einem Bericht des „Salzburger Tagblattes“30 wird der weitere Verlauf festgehalten: Das Gericht sah keine ausreichenden Gründe für eine Beschlagnahme vorliegen, und Wesenauer griff nun zum Mittel einer Privatklage. Außerdem wurde ein „Arbeitskreis zum Schutz und zur Wahrung des internationalen Ansehens der Stadt Salzburg“ gebildet, der Stadt- und Landesregierung aufforderte, die Vergabe von Subventionen an den Salzburger Residenz-Verlag, in dem „Die Ursache“ erschienen war, einzustellen. Der Prozess gegen Bernhard begann mit einer Verhandlung im April 1976 beim Kreisgericht Wels und wurde dann zwischen Gerichten in Linz und Salzburg hin und her verwiesen. Schließlich endete er bei der Hauptverhandlung am Landesgericht Salzburg im Mai 1977 mit einem Vergleich zwischen Wesenauer und Bernhard. Der Konflikt wurde mit einer Erklärung von Thomas Bernhard und seinem Verleger beigelegt, die über die Austria Presseagentur (APA) verbreitet wurde: Beide stellen fest, „dass sie mit den unter Anklage gestellten Äußerungen die Ehre des Kanonikus Wesenauer nicht verletzen wollten und in zukünftigen Auflagen des Werkes ‚Die Ursache’ bestimmte inkriminierte Teile nicht mehr aufnehmen werden.“31 Dieser Vergleich hatte zur Folge, dass in den weiteren Auflagen des Textes das „Onkel-Franz-Kapitel“ nur noch in ge- und verkürzter Form erscheinen konnte.

Mir erscheint es wichtig, in diesen biographischen Andeutungen festzuhalten, dass das „Schulknabenasyl“ in der Schrannengasse nicht die einzige und erste Internatserfahrung Thomas Bernhards war: Vom 5. Jänner 1938 bis zum 25. März 1944 besuchte er die Knabenschule in Traunstein, nachdem seine Mutter und er im Dezember 1937 von Seekirchen zu seinem Vormund Emil Fabjan, dem Ehemann Hertha Bernhards, in die bayerische Kleinstadt übersiedelt waren. Über seine Volksschulzeit in Traunstein schreibt Bernhard im letzten Band seiner autobiographischen Texte, „Ein Kind“: „Ich war dem Spott meiner Mitschüler vollkommen ausgeliefert. Die Bürgersöhne in ihren teuren Kleidern straften mich, ohne daß ich wußte, wofür, mit Verachtung. Die Lehrer halfen mir nicht, im Gegenteil, sie nahmen mich gleich zum Anlaß für ihre Wutausbrüche. Ich war so hilflos, wie ich niemals vorher gewesen war. Zitternd ging ich in die Schule hinein, weinend trat ich wieder heraus. Ich ging, wenn ich in die Schule ging, zum Schafott.“32

Kindheit und Schule werden in Bernhards autobiographischen Texten wiederholt mit dem Gedanken an Suizid und mit der Erfahrung von Selbstmordversuchen verknüpft. Am Beginn einer langen Passage in der „Ursache“, die dem Selbstmord und den Selbstmordgedanken von Jugendlichen gewidmet ist, schreibt er, dass „er gänzlich in seinem Selbstmorddenken auf(ging), in welchem er schon vor dem Eintritt in das Internat geschult gewesen war, denn er war in dem Zusammenleben mit seinem Großvater die ganze Kindheit vorher durch die Schule der Spekulation mit dem Selbstmord gegangen.“33 Vom Juli 1941 datiert die Schilderung eines zweiten Selbstmordversuches, den Bernhard unternahm, als ihm die Einweisung in ein Heim angedroht wurde.34 Durch die Intervention einer Krankenschwester, die offenbar zu dieser Zeit die Familie Fabjan betreut hatte, wird Thomas Bernhard Monate später tatsächlich in ein Heim für schwer erziehbare Kinder bei Saalfeld in Thüringen eingewiesen. Louis Huguet hat es als das sog. „Steigerheim“ identifiziert, dessen ideologische Ausrichtung – in einer ähnlichen Weise wie beim „Johanneum“ – alle politischen Umbrüche der damaligen Zeit widerspiegelt: vor 1933 ein Heim der sozialdemokratischen Naturfreunde, anschließend bis 1945 NS-Erziehungsanstalt und danach bis zu seiner Auflösung 1991 staatliches Kinderheim der DDR bzw. BRD. In „Ein Kind“ schildert Bernhard einen Besuch in Saalfeld, den er viele Jahre später als Erwachsener unternommen hat, um das Heim wiederzusehen. Er findet dort das DDR-Kinderheim „Adolf Hennecke“ vor. Zu diesem späteren Besuch stellt er abschließend fest: „Es ist gut so. Die Zeiten und die Methoden ändern sich nicht. Ich hatte einen Beweis mehr in meinem Kopf.“35 Huguet datiert diesen ersten Internatsaufenthalt Bernhards in Saalfeld für die Zeit Herbst/Winter 1941. Jedenfalls dürfte er die Weihnachtsfeiertage 1941 dort verbracht haben. Die Schilderung in „Ein Kind“ suggeriert einen längeren Aufenthalt (er spricht von Monaten), was allerdings eher ein Indiz für das damalige Zeitempfinden des jungen Thomas Bernhard sein dürfte als eine realistische Zeitangabe, denn in seinem Schülerbogen ist keine längere Abwesenheit für 1941/42 vermerkt.36 Der unmittelbare Anlass für seine Einweisung in das Heim dürfte das Problem des Bettnässens gewesen sein, mit dem seine Familie nicht umgehen konnte. In „Ein Kind“ schreibt Bernhard über diese Zeit im NS-Erziehungsheim: „Keiner wollte neben dem Bettnässer sitzen, keiner wollte mit dem Bettnässer gehen, keiner wollte naturgemäß mit dem Bettnässer in einem Zimmer schlafen. Ich war aufeinmal so isoliert wie noch nie. (…) Wie tief meine Verzweiflung gewesen war, läßt sich heute gar nicht mehr denken. Mit leerem Magen schrie ich bei der Fahneneinholung Heil Hitler (…) Ich war in eine neue Hölle geraten.“37 In dem Theaterstück „Einfach kompliziert“ findet sich ein Reflex auf diese Zeit im NS-Erziehungsheim in einer Passage, in der der Protagonist des Stückes, ein alter Schauspieler, von seiner Kindheit spricht:

„ Im Thüringer Wald

haben sie mich drei Monate

allein gelassen

sich nicht um mich gekümmert

und ich war noch nicht elf Jahre alt

Wir verzeihen ihnen nicht

dazu sind wir nicht befähigt

den Eltern ist nicht zu verzeihen

(… )“38

3. Ein „schwarz-braunes Syndrom“: der nationalsozialistisch-katholische Todesboden:

Das katholisch-nationalsozialistische Syndrom des Salzburger „Todesbodens“, wie es Thomas Bernhard in der „Ursache“ darstellt, wird m.E. erst verständlich, wenn man die ästhetischen Voraussetzungen seiner „Gegensatzkunst“ mit seinen biographischen Erfahrungen in Verbindung bringt und weder das eine noch das andere absolut setzt. „Die Ursache“ ist weder rein fiktionale Prosa noch ausschließlich ein autobiographischer Bericht. Thomas Bernhard verknüpft die Sprache beider Darstellungsformen, um einerseits zentrale Themen seines Werkes, andererseits aber auch sich selbst zum Ausdruck zu bringen – und zwar in der Weise, die für ihn authentisch ist. Sein Halbbruder Peter Fabjan, der ihm nach dem Tod seines „Lebensmenschen“ Hedwig Stavianicek am nächsten stand, stellt dazu fest, Bernhard habe gesagt, „er habe die autobiographischen Bücher geschrieben, damit nicht wir es sind – meine Schwester und ich -, die nach seinem Tod womöglich Auskunft geben, nicht wir befragt werden über ihn, das wollte er nicht“39. Bernhard wollte die Gestaltungshoheit über sein eigenes Leben – und das hat mit Sicherheit auch mit den Ohnmachtserfahrungen der Internate zu tun – nicht aus der Hand geben.

Im dritten Schritt, wo es um einige Anregungen zur Lektüre der Internatspassagen in „Die Ursache“ gehen soll, möchte ich beispielhaft auf zwei Themen, wie sie Bernhard in der Form des unvermittelten Gegensatzes dargestellt hat, zu sprechen kommen:

3.1. Selbstmordgedanke und Überlebenswille: die „Selbstmordgedankenzeit“

Thomas Bernhards „Die Ursache“ ist ein Salzburg-Text, aber nicht im üblichen Gattungsmuster eines Stadtromanes, sondern „Die Ursache“ stellt Salzburg als Zentrum der inneren Geographie des jugendlichen Thomas Bernhard dar. Sie ist in ihrer Teleologie, sofern man überhaupt eine erzählerische Richtung darin erkennen will, ein Text, der vom Tod zum Überleben führt. „Die Ursache“ beschreibt das Überleben des Ich-Erzählers durch die innere Überwindung des Salzburger „Todesbodens“. Das leitmotivisch immer wieder aufgenommene Thema des Textes ist das des Selbstmordes bzw. Selbstmordgedankens. Als Motto ist der „Ursache“ ein Ausschnitt aus einem Artikel der „Salzburger Nachrichten“ vom 6. Mai 1975 vorangestellt, der aus einer Selbstmordstatistik zitiert und mit der Feststellung endet, Salzburg halte in Österreich, das mit seiner Selbstmordrate wiederum an der Spitze der europäischen Länder liege, „österreichischen Rekord“.40 Der Text changiert zwischen den – zumindest während der Internatszeit – nicht ausgeführten Selbstmordgedanken des Ich-Erzählers und der Schilderung tatsächlich stattgefundener Selbstmorde im Internat: „allein in der nationalsozialistischen Zeit zwischen Herbst dreiundvierzig (seinem Eintreten) und Herbst vierundvierzig (seinem Austreten), vier Zöglinge“.41 Der Selbstmordgedanke sei für Schüler – und für Internatsschüler im Besonderen – der beherrschende Gedanke, von dem viele getötet, die Mehrheit der anderen „nur“ gebrochen worden seien. In Bernhards „realer“ Biographie der Jugendzeit („real“ im Sinne einer mit Fakten beschreibbaren Realität!) lassen sich drei dokumentierbare Selbstmordversuche festhalten: der erste während seiner Kindheit in Seekirchen, der zweite steht mit dem Internatsthema in unmittelbarem Zusammenhang: Im Juli 1941 kam es zu diesem Versuch: Als dem zehnjährigen Thomas Bernhard die Einweisung in ein Heim für schwer erziehbare Kinder angedroht wurde, schluckte er eine Überdosis Schlaftabletten und musste mehrere Tage das Bett hüten.42 Im August 1945 notiert Johannes Freumbichler in seinem Tagebuch den dritten Selbstmordversuch seines Enkels, als dieser nach seinem ersten Aufenthalt im Salzburger „Schulknabenasyl“ seit November 1944 wieder in Traunstein bei seiner Mutter lebte.

Im unvermittelten Gegensatz dazu steht der Überlebenswille Thomas Bernhards, der v.a. am Schluss des Textes explizit gemacht wird. In der Schlusspassage schildert er, wie er den inneren Entschluss zur Beendigung seiner Schulzeit fasst43. Dieser Entschluss bringt ihn in eine lebensrettende Distanz gegenüber der Leidenszeit seiner Schuljahre und gegenüber dem lebensbedrohenden Raum der Stadt.

3.2. Hitlerbild und Kreuz am selben Nagel: ein schwarz-braunes Syndrom

Das Internat ist für Bernhard neben der Schule und den diversen Wohnungen, die die Familien Freumbichler und Fabjan während seiner Kindheit bezogen hatten, einer jener Orte, wo für ihn der Gegensatz von Eingesperrt- und Ausgeschlossensein in besonderer Weise spürbar wurde. Er bezeichnet das Internat in der „Ursache“ mehrfach als „Kerker“, beschreibt aber auch, wie er sich dort wiederum ausgesetzt und ausgeschlossen fühlte. Das Internat ist für ihn ein Ort, der den geisttötenden gesellschaftlichen Raum der Stadt Salzburg in besonderer Weise repräsentiert. Das Internat als Kerker bedeutet vollkommene „Aussichts- und Hoffnungslosigkeit“, und Bernhard bezeichnet die Erziehung im Internat als „Menschenvernichtungskunst“. Die ideologischen Etiketten „Nationalsozialismus“ und „Katholizismus“, die er im Text dutzende Male aufruft, weisen für ihn nur oberflächliche Unterschiede, jedoch tiefer liegende Gemeinsamkeiten, auf. Er merkt zu seiner zweiten Internatszeit in der Schrannengasse nach dem Kriegsende an: „Nun war ich also (…) wieder im Internat, in keinem nationalsozialistischen, in einem katholischen, und es hatte sich für mich zuerst nur in dem Austausch des Hitlerbildes gegen das Christuskreuz und in dem Austausch des Grünkranz gegen den Onkel Franz unterschieden (…) Auf Schritt und Tritt war ich an und in vielen Einzelheiten jetzt auch noch an die nationalsozialistische Ära erinnert.“44 Für Bernhard kristallisiert sich in beiden Internatserfahrungen ein für eine totalitäre Pädagogik idealtypisches Gegensatzpaar heraus, wie es durch die beiden ErzieherInnen repräsentiert ist, die das „Schulknabenasyl“ jeweils beherrscht hatten: Grünkranz und seine Frau während der nationalsozialistischen Herrschaft, „Onkel Franz“ und der Präfekt in der Zeit nach Kriegsende.

Der Prozess, den Pfarrer Franz Wesenauer gegen Verlag und Autor angestrengt hatte, und der darauf folgende Vergleich hatten zur Folge, dass in den weiteren Auflagen des Textes das „Onkel-Franz-Kapitel“ nur noch in verkürzter Form erscheinen konnte. Zum einen war von der Titel gebenden Figur in diesem Kapitel kaum noch die Rede. Zum andern aber wurde eine Schlüsselpassage, die das Kernthema der Internatszeit betraf – eben die Verbindung von Nationalsozialismus und Katholizismus -, verstümmelt. Bernhard hat dort zwei Parallelen zwischen den Erziehern aus der Zeit vor und jenen aus der Zeit nach 1945 gezogen: Dem schrecklichen Grünkranz entsprach die „Fürchterlichkeit des Präfekten“, eines ungarischen Ordensgeistlichen45, auf der einen Seite. Der furchtsamen und nachgiebigen Frau des Grünkranz wiederum korrespondierte die „Gutmütigkeit“ des Onkel Franz auf der andern Seite: „hier, im katholischen Internat, hatte es wieder, wenn auch unter anderem Namen und nicht in Offiziers- oder SA-Stiefeln, sondern in solchen schwarzen Stiefeletten der Geistlichkeit (…) einen Grünkranz gegeben, wie der Grünkranz der sogenannten Naziära schon der Präfekt gewesen war, und der Onkel Franz hatte die Fürsorgerolle der Frau Grünkranz übernommen“46. Die Streichungen kappen eine zentrale Aussage dieses Kapitels, die die Verbindung von Nationalsozialismus und Katholizismus, wie sie der Icherzähler Bernhards versteht, in differenzierter Weise ausgeführt hätte. Denn in den Augen des Icherzählers wird das Schreckensregiment von Präfekt und SA-Mann unterstützt und ermöglicht durch die furchtsamen und „lieben“ Charaktere derer, die ihnen jeweils zuarbeiten, indem sie die Zerstörungen ihrer Herrschaft zudecken und vergessen lassen. „Das den ganzen Tag über im Internat überall gerufene, gesprochene und geflüsterte Onkel Franz hatte das ganze Internat vor allem für den Besucher in den Verstand einlullender Weise in eine katholische Lieblichkeit eingehüllt, von welcher hier tatsächlich nichts gewesen war.“47 Das Faktum, dass gerade diese Passage gestrichen werden musste, lässt tatsächlich von einer inhaltlichen Verstümmelung des Textes sprechen! Bernhard war noch in der Endphase des Prozesses ganz gegen eine Streichung; er stellt noch in einem Brief an Schaffler vom 26. April 1977 fest: „ich kann u. will in d. ‚Ursache‘ nichts ändern, kein Wort, u. keines tilgen, es bleibt alles, wie es ist“.48

In dem anfangs erwähnten Interview mit Thomas Bernhard – acht Jahre vor dem Erscheinen der „Ursache“ – erzählt er als einzige konkrete Erinnerung an die Internatszeit jene Episode von dem Kreuz, das nach Kriegsende am selben Nagel aufgehängt worden ist, an dem zuvor das Hitlerbild gehangen war.49 Das Detail mit dem Nagel – erfunden oder nicht – scheint im Text der „Ursache“ nicht mehr auf. Durch dieses Bild wird eindrucksvoll verdeutlicht: Das Internat steht nicht für sich, sondern ist ein komprimierter Ausdruck des schwarz-braunen Syndroms in Salzburg, das Bernhards Jugend beherrscht und sein weiteres Leben belastet hatte: „Das Internat hat mir dieses katholisch-nationalsozialistische Wesen mit der Eindringlichkeit des Authentischen vorgeführt, geistig eingeklemmt zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus sind wir aufgewachsen und schließlich zerquetscht worden zwischen Hitler und Jesus Christus als volksverdummenden Abziehbildern.“50

1 Viktor Suchy: Die Vergangenheit ist unerforscht, 20. In: Sepp Dreissinger (Hg.): Von einer Katastrophe in die andere. 13 Gespräche mit Thomas Bernhard. Weitra 1992, 19-34. Ein Jahr später, 1968, schreibt Bernhard mit dem Aufsatz „Unsterblichkeit ist unmöglich“ (in: Raimund Fellinger (Hg.): Thomas Bernhard. Ein Lesebuch. Frankfurt/Main 1993, 27f.) erstmals einen autobiographischen Text, wo bereits von „Ursachenforschung“ die Rede ist; vgl.: Thomas Bernhard: Werke, Band 10. Die Autobiographie. Hg. von Martin Huber und Manfred Mittermayer. Frankfurt/Main 2004, 514.

2 Suchy, Die Vergangenheit ist unerforscht, a.a.O., 21.

3 Ebda.

4 Thomas Bernhard: Ein Kind. Salzburg und Wien 1998, 110 (im weiteren Text zitiert als Kind).

5 Thomas Bernhard: Die Ursache. Eine Andeutung. Salzburg und Wien 1998, 10/11 (im weiteren Text zitiert als: Ursache).

6 Vgl.: Thomas Bernhard, Werke, Band 10. Die Autobiographie, hg. von Martin Huber und Manfred Mittermayer. Frankfurt/Main 2004, 519f. Ein Hinweis von Schaffler, dass im Herbst 1974 bei Luchterhand ein Roman von Hugo Dittberner mit dem Titel „Das Internat“ erschienen sei, führte zur Titeländerung.

7 Bernhard Sorg: Thomas Bernhard, 13. In: Heinz Ludwig Arnold (Hg.): Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (KLG). München (Ed. Text u. Kritik, Stand 1.1.1990).

8 Marcel Reich-Ranicki: Thomas Bernhard. Aufsätze und Reden. Zürich 1990, 54. (Der gegenständliche Aufsatz „Thomas Bernhards entgegengesetzte Richtung“ wurde am 8.4. 1978 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erstmals veröffentlicht).

9 Ursache, 86.

10 Ebda., 87.

11 Thomas Bernhard: Der Keller. Eine Entziehung. Salzburg und Wien 1998, 89.

12 Zum Begriff ‚Topic’ siehe: Umberto Eco: Lector in fabula. München 1987; Boris Tomasevskij: Theorie der Literatur. Poetik. Wiesbaden 1985.

13 Zwei wichtige Monographien zum Werk Thomas Bernhards stellen genau diese Thematik in den Mittelpunkt ihrer Interpretation: Paola Bozzi: Ästhetik des Leidens. Zur Lyrik Thomas Bernhards. Frankfurt/Main – Berlin – Bern – New York – Paris – Wien 1997; Steffen Vogt: Ortsbegehungen. Topografische Erinnerungsverfahren und politisches Gedächtnis in Thomas Bernhards Der Italiener und Auslöschung. Berlin 2002.

14 Publiziert wurde der Prosatext erst 1989, kurz vor Bernhards Tod, im Residenzverlag: Thomas Bernhard: In der Höhe. Rettungsversuch. Unsinn. Salzburg 1989.

15 Ursache, 90.

16 Ursache, 20.

17 Erlass des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 1.2.1939; zitiert nach: Alfred Rinnerthaler: Salzburgs Schülerheime unterm Hakenkreuz. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 131, 1991, 259-286.

18 Ursache, 11.

19 Allerdings gibt es genügend Beispiele dafür, dass in Salzburg gerade „stramme Nationalsozialisten“ ihre Beziehungen nutzten, um auf „kriegswichtigen Posten“ einem Einsatz – v.a. an der Ostfront – zu entkommen. Meine Mutter hat mir einige solcher Beispiele genannt.

20 Louis Huguet: Chronologie. Johannes Freumbichler – Thomas Bernhard. Weitra o.J., 238.

21 Ursache, 21.

22 Ursache, 31.

23 Ebda.

24 Vgl. Huguet, Chronologie,a.a.O., 247.

25 Zitiert in: Huguet, Chronologie, a.a.O., 252.

26 Ein Interview mit Franz Wesenauer zu dieser Rettungsaktion befindet sich in den Akten des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, DÖW 15.349; ein Ausschnitt ist veröffentlicht in: Roland Floimair (Hg.): Nationalsozialismus und Krieg. Ein Lesebuch zur Geschichte Salzburgs. Salzburg 1993, 215.

27 Ursache, 45 und 11.

28 N.N.: „Th. Bernhard wegen Verleumdung angezeigt.“ In: Salzburger Nachrichten, 2. Okt. 1975, 19.

29 Siehe: Martin Huber: „Romanfigur klagt den Autor“. Zur Rezeption von Thomas Bernhards „Die Ursache. Eine Andeutung“, 63. In: Wendelin Schmidt-Dengler / Martin Huber (Hg.): Statt Bernhard. Über Misanthropie im Werk Thomas Bernhards. Wien 1987, 59-110.

30 N.N.: „Bernhard-Buch nicht beschlagnahmt“. In: Salzburger Tagblatt, 4. Okt. 1975, 21.

31 Siehe: Martin Huber: „Romanfigur klagt den Autor“. Zur Rezeption von Thomas Bernhards „Die Ursache. Eine Andeutung“, a.a.O., 67.

32 Kind, 75.

33 Ursache, /12/13.

34 Bernhard erzählt davon in einem Interview mit André Müller: Im Gespräch mit Thomas Bernhard. Weitra 1992, 56f.

35 Kind, 97.

36 Siehe: Huguet, Chronologie, a.a.O., 224.

37 Kind, 95/96.

38 Thomas Bernhard: Einfach kompliziert. In: Thomas Bernhard. Stücke 4. Frankfurt/Main, 1988, 254.

39 Peter Fabjan / Marek Kedzierski: Jeder Tag war inszeniert. Erinnerungen an Thomas Bernhard, 86. In: Lettre International, Nr. 92, Frühjahr 2011, 86-91.

40 Ursache, 5.

41 Ursache, 15.

42 Bernhard schildert diesen Suizidversuch mit einer gewissen ironischen Färbung im Gespräch mit André Müller so, als habe er während eines Spazierganges mit dem Großvater fortwährend Schlaftabletten geschluckt. Siehe: Müller, Im Gespräch mit Thomas Bernhard, a.a.O., 56f.

43 Sein Bruder Peter Fabjan erzählt allerdings in einem Interview (vgl. Fußnote 39), dass Bernhard das Gymnasium keineswegs aus eigenem Entschluss verlassen habe, sondern aufgrund seiner schlechten schulischen Leistungen von seinem Vormund dazu gedrängt worden sei; vgl. auch: Müller, Im Gespräch mit Thomas Bernhard, a.a.O., 56f.

44 Ursache, 66ff. und 71/72. Das mit „Onkel Franz“ überschriebene Kapitel schildert diesen Wechsel, der für den Icherzähler in Wirklichkeit keiner war. Gerade diese Passage im Text der „Ursache“ hat in exemplarischer Weise die Wechselwirkung der Bernhard’schen Textform mit dem Kontext zeitgenössischer Diskurse deutlich gemacht. Denn im Mittelpunkt der Rezeption von „Die Ursache“ bei ihrem Erscheinen im Jahr 1975 standen nicht ästhetische Fragen (nahegelegen hätten Fragen nach der Erzählform oder nach dem Verhältnis von Fiktion und Faktizität), sondern der Skandal um den von Bernhard im „Onkel-Franz-Kapitel“ geschilderten stadtbekannten Salzburger Pfarrer Franz Wesenauer.

45 Ich zitiere hier die noch ungekürzte Ausgabe: Thomas Bernhard: Die Ursache. Eine Andeutung. Salzburg 1975, 103.

46 Ebda., 105. Nicht ohne Grund haben die meisten Rezensenten daraufhin die Figur des Onkel Franz mit der Figur des Präfekten identifiziert; sogar dem Wissenschaftler Jens Dittmar unterläuft diese Verwechslung in seiner Kurzcharakteristik im Rahmen der „Werkgeschichte“: „Thomas Bernhard hatte den damaligen Internatsleiter ‚Onkel Franz’ (…) als unzuverläßlichen (sic!) Charakter und widerlichen Menschen dargestellt, der ein katholisches Schreckensregiment führte.“ (Jens Dittmar (Hg.): Thomas Bernhard Werkgeschichte. Frankfurt/Main 1990, 166).

47 Bernhard, Die Ursache (1975), a.a.O., 105/106.

48 Bernhard, Werke, Band 10. Die Autobiographie, a.a.O., 547.

49 Suchy, Die Vergangenheit ist unerforscht, a.a.O., 20. Auch in verschiedenen (z.T. handschriftlichen) Entwürfen vor der Abfassung des Manuskripts findet sich stichwortartig diese Episode.

50 Ursache, 77.

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