Elemente einer Kritik der Menschenrechte von links
„In jeder Epoche muss versucht werden, die Überlieferung von neuem dem Konformismus abzugewinnen, der im Begriff steht, sie zu überwältigen.“[1]
Die Menschenrechte in ihrer heute vorliegenden Form sind in ethischen wie politischen Diskursen von der jüngeren Vergangenheit bis zur Gegenwart, in internationalen wie regionalen Deklarationen und Rechtsdokumenten, nationalen Verfassungen sowie in der Rechtsprechung ausdifferenziert und verfeinert worden. In der heute vorliegenden Form sind sie fester Bestandteil internationaler, rechtsstaatlicher wie zivilgesellschaftlicher Beziehungen. Dennoch: Nach einer Phase weitreichender Zustimmung und Anerkennung in den über 70 Jahren ihres Formulierungsprozesses im Anschluss an die Shoah und den Zweiten Weltkrieg[2] sind sie sowohl international als auch in Europa in letzter Zeit zunehmend unter Druck geraten. Eine wachsende Zahl an Staaten und Gesellschaften schränkt sie in ihrer politischen wie juristischen Praxis massiv ein bzw. missachtet und verletzt sie systematisch. Ihr universaler Geltungsanspruch wird von verschiedenen Seiten in Frage gestellt bzw. als eurozentrische Vereinnahmung interpretiert. Fundamentalistische, autoritäre und rechtspopulistische Strömungen – auch in Europa – weisen ein Einfordern ihrer unbedingten Geltung durch die Instanzen von UN und EU zurück bzw. wollen sie für ihre ideologischen Zwecke instrumentalisieren. Die immer schon vorhandene Kluft zwischen ihrem Anspruch und den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wirklichkeiten, auf die sie sich beziehen, ist allem Anschein nach so groß wie schon lange nicht mehr. Und nicht zuletzt: Einer quantitativ wie qualitativ neuen Dimension globaler Herausforderungen scheinen sie hinterherzuhinken; ich nenne nur beispielhaft: Migrationsbewegungen, Klima- und Umweltkrise, die durch eine weltweite Pandemie verschärfte Krise von Gesundheits- und Pflegeversorgung weltweit, die bedrohte Situation indigener Gemeinschaften und Völker etc.
Weiterlesen „„Das Recht des Menschen ist’s auf dieser Erden …““




Soziale und politische Teilhabe in der regionalen Menschenrechtsarbeit.